Das erste Jahr mit Zwillingen

Eine wundervolle Zwillingsmutter und Bloggerin beschreibt ihre Erfahrungen mit ihren Zwillingen im ersten Jahr.

Zwillinge: Das 1. Jahr

Von Miriam Möller

Nachdem ich die ersten 30 Tage, in denen ich die Zwillinge mit nach Hause gebracht habe und mich währenddessen noch um meinen 2 Jährigen Sohn gekümmert habe überstand, musste ich mir zur Beruhigung selbst einreden, dass es bald schon besser wird. Trotz vieler Widrigkeiten wie postpartale Depression, ein neu entwickeltes Schilddrüsenproblem und eines Umzugs in eine neue Gegend, wo ich niemanden kannte, schaffte ich es das erste Jahr zu überstehen, so wie auch meine Zwillinge, mit kaum einem Kratzer an ihnen.

Okay, vielleicht das eine Mal, als eines der Babys vom Wickeltisch rollte und auf ein Spielzeug gefallen wäre, ich ihn aber noch rechtzeitig auffangen konnte. Aber leider nicht bei einem anderen Mal, als er eine Beule davontrug, weil er gegen eines der Tischbeine krabbelte. Dann gab es noch einen weiteren Vorfall, als eines der Babys unsere Katze krabbelnd durch den ganzen Raum jagte, bis sie über ihn sprang und dabei durch sein Gesicht kratzte. Der Horror und die Schreie danach waren genug, um den Alptraum wahr werden zu lassen. Trotzdem war das erste Jahr der Erziehung von Zwillingen nicht nur die Härteste, sondern gleichzeitig auch die Wertvollste für mich.

Nun, nachdem ich das gesamte restliche Jahr damit verbracht habe eine Antwort darauf zu finden, ob es jemals besser wird oder nicht, kann ich guten Gewissens sagen, dass es das tut. Die zahlreichen Mütter in den Supermärkten und die Leute in der Kinderarztpraxis haben mich nicht angelogen und wollten also nicht nur, dass es mir durch den guten Zuspruch besser geht. Es wird tatsächlich irgendwann besser.

Ein großer Teil des ersten Jahres mit Zwillingen war es herauszufinden, welche Methoden bei der Kindererziehung funktionieren. Das heißt jedoch nicht, dass nur weil es bei einem Baby funktioniert, es ebenso gut bei dem anderen klappt. Trotzdem sind strikte Pläne für alle Beteiligten der Schlüssel zum Überleben. Nacheinander die Babys zu füttern, wodurch eines der Beiden warten muss und die meiste Zeit weint und seinen Unmut darüber zum Ausdruck bringt, ist unvermeidbar und muss so hingenommen werden. Wenn du den Luxus hast, dass dir jemand dabei hilft, dann solltest du sie definitiv zeitgleich füttern. Ich musste mich weiteren Widrigkeiten stellen in Form von Schmerzen im Leib und Reflux bei meinen Zwillingen. Eines der Beiden hatte beides, während das andere nur an Reflux litt. Das hieß für mich spezielle Rezepte kochen, Essen über Flaschen verabreichen und danach ständig auf der Hut sein. Das alles ist ein Teil davon Babys zu haben. Du weißt aber auch nie was für lustige Sachen sie anstellen werden, die das Ganze wieder viel ereignisreicher gestalten. Ab dem fünften Monat haben wir dem Baby, das die Schmerzen im Leib hatte, angefangen Zantac zu verabreichen, da es täglich viel Geschrei und Geweine gab, es aber erstaunlicherweise jeden Tag um 17 Uhr am Schlimmsten wurde und einem das Geschrei wie eine halbe Ewigkeit vorkam. Ich hab mich geweigert nach draußen zu gehen, da ich mich gefürchtet habe, dass wir irgendwo stecken bleiben könnten und um 17 Uhr würde es wieder losgehen und zusätzlich, dass das unbekannte Umfeld es noch einmal verschlimmern würde. Ich musste im Laufe der Zeit akzeptieren, dass Babys weinen. Ein Geräusch, an das du dich vermutlich nie gewöhnst, aber alles was du tun kannst ist dir einzureden, dass du nichts dagegen tun kannst, außer sie weinen zu lassen.

Meine 2 Jungs zusammen ins Bett zu bringen und dabei immer dieselbe Routine durchzuziehen war essentiell zum Überleben. Dadurch, dass einer der Beiden immer wieder mit Problemen zu kämpfen hatte, wie beispielsweise den Schmerzen im Leib, wurden sie oftmals in der Nacht wach und es wurde lange und laut geweint. Nach einiger Zeit, etwa nach 6 Monaten begannen die ersten Zähne zu kommen. Zu lernen mit Veränderungen klar zu kommen ist der Schlüssel des Erfolgs. Die Änderungen vorauszusehen und nicht versuchen sich vor Dingen zu drücken ist der einzige Weg mit mehreren Kindern zu bestehen.

Mein erstes Einzelkind hatte lange einen Schnuller, was mir persönlich zu lange war. Er hatte ihn bis zum 2. Lebensjahr. Wir haben es ihm weitestgehend abgewöhnt und nun nutzt er nur noch während des Schlafens, denn ohne würde er nicht schlafen. Als einmal Einer verloren ging ist fast die Welt für ihn zusammengebrochen. Als die Zwillinge dann kamen, dachte ich nur „nie wieder“. Also haben wir es ihnen bereits nach 3 Monaten abgewöhnt, so wie es die Bücher einem empfahlen. Nun, jetzt haben wir ein Baby, das an seiner Decke saugt um zu schlafen und ohne diese Decke auch gar nicht kann. Das andere Baby saugt während des Schlafs an seiner Hand und hat dadurch immer eine nasse, schrumpelige Hand. Im Nachhinein hätte ich ihnen wohl ihren Schnuller lassen sollen. Ich kann ihm schließlich keine Hand wegnehmen und diese eine Decke wegzunehmen ist sogar noch schwieriger. Etwas anderes anzubieten kann den Verlust über die Decke nicht wiedergutmachen. Wenn ich zurückblicke was ich alles anders während des ersten Jahres hätte machen können, hol ich immer eine Liste hervor die ich während dieser Zeit geschrieben habe, weil es so bei meinem aller ersten Kind auch prima funktionierte. Aber ich werde auch nicht in den nächsten Laden rennen um Schnuller zu kaufen, sondern lebe mit dem Geweine, das mich manchmal an den Rand der Verzweiflung bringt. Wie bereits gesagt, es wäre wohl klüger gewesen ihnen die Schnuller länger zu geben.

In der Vergangenheit zu leben und Dinge die man getan hat zu bereuen, führt definitiv nicht zu einem Vergnügen während des ersten, oder der darauffolgenden Jahre mit Zwillingen. Sie zu sehen, wie sie in ihrer Babysprache miteinander sprechen, die nur sie verstehen ist herzerwärmend. Diese Erfahrung werde ich für den Rest meines Lebens in mir haben. Wie sie zusammen mit ihrem älteren Bruder kuscheln, sich umarmen und dabei ich liebe dich sagen, ist meist schon genug, dass bei mir Tränen der Freude fließen. Wie sie alleine oder gemeinsam spielen ist so erfüllend für einen. Jeder einzelne lernt unterschiedlich schnell und auf unterschiedliche Wege. Wie dir deine Zwillinge zeigen, wie stark und wie schwach du zur selben Zeit bist, ist eine unverwechselbare Erfahrung. Das erste Jahr mit deinen Zwillingen ist oftmals noch sehr unscharf, aber wenn irgendwann das Bild erscheint, dann wirst du glücklich sein, dass du dich auf all das eingelassen hast.

Jasmin
Author

Write A Comment